{"id":350,"date":"2020-09-23T18:58:01","date_gmt":"2020-09-23T16:58:01","guid":{"rendered":"http:\/\/sophiejacobsen.de\/?page_id=350"},"modified":"2020-09-23T18:58:02","modified_gmt":"2020-09-23T16:58:02","slug":"therese-chromik-direktorin-2000-2007","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/sophiejacobsen.de\/?page_id=350","title":{"rendered":"Therese Chromik, Direktorin 2000-2007"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Wie sehen Sie Ihre Rolle als Schulleiterin?<\/strong><br>Mir liegt vor allem daran, dass in unserer Schule ein gutes Klima herrscht, das f\u00fcr das Miteinander in unseren verschiedenen Rollen und Aufgaben f\u00f6rderlich ist: Ein Klima, in dem Sch\u00fcler gern und effektiv lernen, Lehrkr\u00e4fte gern unterrichten und Eltern mit uns an einem Strang ziehen, wenn es sich um p\u00e4dagogische Signale handelt. Das setzt gegenseitiges Vertrauen aller Beteiligten voraus, das ich zu st\u00e4rken versuche. Auch das Ministerium und der Schultr\u00e4ger haben in der Schule ein W\u00f6rtchen mitzureden und bestimmen Struktur und Rahmen f\u00fcr das, was sich lebendig entwickeln soll. Ich muss f\u00fcr unsere Schule, f\u00fcr unsere Sch\u00fcler und Lehrkr\u00e4fte f\u00fcr eine klimavertr\u00e4gliche Umsetzung der Vorgaben und Bestimmungen sorgen. Ich bin also vielfach Mittler und m\u00f6chte motivieren, auf dem Weg, den wir im Schulprogramm beschrieben haben, voranzugehen. Damit ist man nie fertig, das ist ein Prozess.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie bewerten Sie den Sprung von der Lehrerrolle zur Schulleiterrolle?<\/strong><br>Ein Riesensprung! Auf der einen Seite verliert man die vielfache und intensive Arbeit mit Sch\u00fclern. Eine Schulleiterin einer so gro\u00dfen Schule hat weniger Unterricht und daher ist der Kontakt nur zu weniger Lernenden so nah und intensiv. Und nichts ist ja sch\u00f6ner, als das Arbeiten mit jungen Leuten: mitzuerleben, wie sich Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler entwickeln von der Sexta bis zum Abitur und durch mich als Lehrer etwas dazugelernt haben. Dieses sch\u00f6ne Erlebnis hat man als Lehrkraft eben vielfach intensiver, woraus man ja auch Kraft und Freude sch\u00f6pft. Auf der anderen Seite aber bekommt man als Schulleiterin eine gro\u00dfe Verantwortung f\u00fcr das p\u00e4dagogische Geschehen, die Personalf\u00fchrung, Organisation, rechtliche Themen und Budgetangelegenheiten. Vieles wirkt oft weltlich im Vergleich zum Lehrerberuf, z.B. die Sanierung und der Bau von Fachr\u00e4umen oder der Mensa usw. Sehr schnell gewinnt man aber Freude daran, dass man seine W\u00fcnsche und Ideen vervielf\u00e4ltigen kann. Wenn ich es zum Beispiel schaffe, gute Lehrer an die TSS zu holen oder sie hier zu halten, dann sorge ich mit daf\u00fcr, dass pl\u00f6tzlich viel mehr Sch\u00fcler einen guten Unterricht erhalten. Die \u201eHebelwirkung&#8220; wird also gleichsam gr\u00f6\u00dfer. Mit der Organisation der F\u00f6rderungsgelder f\u00fcr die offene Ganztagsschule konnte ich genauso p\u00e4dagogische Ziele verfolgen, f\u00fcr 900 Sch\u00fcler gleichzeitig. Ich erreiche als Schulleiterin die meisten Sch\u00fcler also nicht mehr so intensiv wie fr\u00fcher, aber daf\u00fcr habe ich jetzt die M\u00f6glichkeit f\u00fcr alle etwas zu erreichen. Dar\u00fcber freue ich mich. Ich freue mich am Ganzen und habe au\u00dferdem in einzelnen besonderen Situationen auch mit jungen Leuten in der Schule intensive Begegnungen, wenn es darum geht, zu raten, Konflikte zu gl\u00e4tten, zu beruhigen, zu tr\u00f6sten, aber auch aufzukl\u00e4ren und das Einhalten von Regeln im Miteinander einzufordern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche Ver\u00e4nderungen an unserer Schule finden Sie gut?<\/strong><br>Die Umgestaltung unserer Schule in eine Offene Ganztagsschule macht unsere Schule zu einem Ort, in dem nicht nur gelernt, sondern auch miteinander gelebt wird. Es kommt ganz nat\u00fcrlicherweise zu mehr Begegnungen und Gespr\u00e4chen au\u00dferhalb des Unterrichts. Das hat sich \u201eklimatisch&#8220; schon ausgewirkt. Voraussetzung f\u00fcr gutes Lernen ist , dass ich den Ort mag und gern dort bin, wo ich lernen soll und dass mir Menschen dort freundlich begegnen. Dazu muss nat\u00fcrlich auch jeder selbst beitragen. Es gibt viele Ver\u00e4nderungen, die von au\u00dfen kommen, z. B. die Einf\u00fchrung von Lernpl\u00e4nen. Sch\u00fcler, Eltern und Lehrkraft begegnen sich als Partner in gemeinsamer Sorge und Verantwortung und schlie\u00dfen sozusagen einen kleinen Vertrag \u00fcber ein Lerntraining ab &#8211; nach der Spezialdiagnose, die festgestellt hat, was der Lernende braucht, was ihm gut tut, was ihn f\u00f6rdert. Ich freue mich besonders \u00fcber ein Projekt an unserer Schule, in dem Kursteilnehmer des Projektunterrichts Lernmethoden weitergeben an Unterstufensch\u00fcler. Das ist einmalig und eine sehr gute \u201eErfindung&#8220; und eine TSS &#8211; eigene Lernform und Lernplan -Variante.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zu Ihrem pers\u00f6nlichen Werdegang: Welche Etappen gab es auf dem Weg, Schulleiterin zu werden?<\/strong><br>Zun\u00e4chst war ich \u201eeinfach&#8220; nur begeisterte Lehrerin, unterrichtete meine beiden F\u00e4cher Deutsch und Erdkunde zun\u00e4chst in der Kieler Gelehrtenschule (KGS) , dann in der TSS Husum und dann wiederum in der KGS in allen Stufen, war immer Klassenlehrerin und Tutorin, machte Theater und Schreib-AGs, war Fachvorsitzende und Referendarsausbilderin. Das war eine sehr gl\u00fcckliche Zeit. Ich war jung, jung verheiratet und hatte zwei kleine Kinder. Dann ergab es sich, dass ich 2 Jahre im Ministerium arbeitete und unsere \u201eObrigkeit&#8220; und die Verwaltung kennenlernte, was mir heute sehr n\u00fctzlich ist f\u00fcr die realistische Einsch\u00e4tzung von Dingen und einen menschlichen und unkomplizierten Umgang mit meinen Vorgesetzten erm\u00f6glichte, wodurch sich f\u00fcr unsere Schule sicher mehr erreichen lie\u00df.. Danach habe ich als Fachleiterin f\u00fcr Deutsch Referendare und Referendarinnen ausgebildet. Als Fachleiterin unterrichtet man au\u00dferdem in der Schule. (Hebbelschule Kiel)- Diese Ausbildungst\u00e4tigkeit, die ich sehr erf\u00fcllend fand, n\u00fctzt mir jetzt in meiner T\u00e4tigkeit sehr. Alle drei Etappen waren f\u00fcr meine Schulleiterrolle wichtig und unverzichtbar.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gibt es ein besonderes Erlebnis in Ihrer Lehrerzeit?<\/strong><br>Ja, es gibt viele und alle h\u00e4ngen mit Sch\u00fcler-Schicksalen zusammen. Nie vergessen werde ich die erste Abiturpr\u00fcfung, die ich abnehmen musste. Ein Sch\u00fcler sollte in Deutsch gepr\u00fcft werden und von der Pr\u00fcfung bei mir hing f\u00fcr ihn das Abitur ab. Er h\u00e4tte auch nicht mehr das Jahr wiederholen k\u00f6nnen. 8 Punkte musste er bekommen und das schaffte mir schlaflose N\u00e4chte beim Heraussuchen der Aufgaben. Immer wieder verwarf ich noch so sch\u00f6ne Aufgaben, weil ich f\u00fcrchtete, dass er scheitern k\u00f6nnte. Er war ein \u201eTyp&#8220;, der in Deutsch mal eine 2 (Inhalt 1) schrieb und mal das Heft in einer Klausur nach 5 Minuten zumachte mit dem Kommentar, er wisse nichts zu schreiben. Man musste auf \u00dcberraschungen gefasst sein. Die Pr\u00fcfung begann mit einem Schock f\u00fcr mich: Die erste Aufgabe habe er verstanden, den Text in der 2. Aufgabe (modernes Gedicht) verst\u00fcnde er nicht. Es lief mir eiskalt den R\u00fccken herunter: Meine Bef\u00fcrchtungen schienen sich zu bewahrheiten. Aber dann &#8211; nach der sehr guten Erledigung der 1. Aufgabe, kam die \u00dcberraschung: J. zeigte so akribisch genau und ehrlich auf, was er an dem modernen Gedicht irritierend und unverst\u00e4ndlich fand, zeichnete die Leserf\u00fchrung derart gut nach, benannte alle lyrischen Ph\u00e4nomene und Konnotationen (Bedeutungsm\u00f6glichkeiten), dass das Pr\u00fcfungsgremium f\u00fcr 15 Punkte war, was ich gar nicht vorzuschlagen gewagt hatte. Das war meine erste Abiturpr\u00fcfung und Erfahrung mit einer ausgepr\u00e4gten Sch\u00fclerpers\u00f6nlichkeit. Nat\u00fcrlich hat J. damit das Abitur locker geschafft.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Warum w\u00e4hlen Sie als Autorin vor allem das Gedicht als Ausdrucksform?<\/strong><br>F\u00fcr einen Roman habe ich bisher noch keine Zeit gehabt. Aber Prosaskizzen liegen als Manuskripte bei mir noch herum. Manche sind auch ver\u00f6ffentlicht. Aber Sie haben Recht: Ich bevorzuge Gedichte. Sie sind die komprimierteste Form, etwas zu sagen. Man kann mit einer Zeile oder einem Bild im Kopf unterwegs sein, die W\u00f6rter abklopfen, die Bilder befragen, kurz: mit der Sprache spielen und Sprachbeobachtungen machen. Hilde Domin, die bekannteste deutsche Lyrikerin der Gegenwart, fordert vom Dichter, dass er \u201eSprachhygieniker&#8220; sei, dass er jedes Wort pr\u00fcfen solle, ob es sagt, was es meinen soll. Es geht ihr um die Wahrhaftigkeit und Missbrauch von Sprache. \u201eJede kleine Verschiebung zwischen dem Wort und der mit dem Wort gemeinten Wirklichkeit zerst\u00f6re Orientierung und mache Wahrhaftigkeit unm\u00f6glich. Diese sieht Domin als Voraussetzung f\u00fcr politisches Handeln in einer demokratischen Ordnung an. (Hilde Domin: \u201eWozu Lyrik heute?&#8220;) Ein Gedicht von ihr spricht die Federung sehr knapp aus: \u201eWort und Ding lagen eng aufeinander die gleiche K\u00f6rperw\u00e4rme bei Ding und Wort&#8220;. Wir brauchen Wahrhaftigkeit im Gebrauch der Sprache aber auch f\u00fcr uns, wenn Lyrik &#8211; wie ich meine und fordere &#8211; eine entlastende Funktion f\u00fcr die Menschen haben soll. Denn als Autorin spreche ich meine Erfahrungen auch zugleich f\u00fcr andere aus, bin Sprachrohr f\u00fcr andere.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Seit wann schreiben Sie Gedichte?<\/strong><br>Angeregt wurde ich vor allem durch den Lateinlehrer in der Schule, der uns aufgab, Horaz-Gedichte metrisch genau zu \u00fcbersetzen. \u00dcber diese Art von Hausaufgaben konnte ich alle anderen vergessen. Immer wieder entstanden mal Gedichte in der Schulzeit und Studentenzeit. Intensiver begann ich damit nach dem Tod meines Mannes 1979 und den ersten Gedichtband ver\u00f6ffentlichte ich 1983. Den ersten Sch\u00fcler-Gedichtband \u00fcbrigens 1984. Wer ist Ihr Lieblingsdichter? Schwer zu sagen, je nach Gattung: F\u00fcr Lyrik sind es Hilde Domin und Rilke, f\u00fcr Kurzprosa: Kafka, f\u00fcr Kurzgeschichten Heinrich B\u00f6ll, f\u00fcr den Roman Font\u00e4ne und Thomas Mann, f\u00fcr das Drama kann ich mich schwer festlegen. Vielleicht Bertold Brecht. Na, und den gro\u00dfen Goethe &#8211; f\u00fcr alle Gattungen- habe ich jetzt ganz vergessen. Der Faust ist un\u00fcbertroffen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wo werden die Schwerpunkte in Ihrer neuen Lebensphase sein?<\/strong><br>Im Mittelpunkt wird das Schreiben stehen, das Ver\u00f6ffentlichen, das Lektorieren fremder Texte, das Organisieren von Lesungen, Werkstattarbeit mit Nachwuchsautoren, das Leiten von Schreibseminaren. Als erstes werde ich zu einem Arbeitsgespr\u00e4ch nach Polen fahren, wo ein Dozent begonnnen hat, Gedichte von mir zu \u00fcbersetzen. Das ist ein spannender Vorgang, denn beim \u00dcbertragen wird noch einmal jedes Wort befragt und gleichsam auf den \u201ePr\u00fcfstand&#8220; gelegt. Ich werde auch mehr Zeit f\u00fcr meine 87 j\u00e4hrige Mutter haben, die zur Zeit ihr Leben aufschreibt, also eine Biografie f\u00fcr uns verfasst. \u00dcber Enkelkinder w\u00e4re ich auch nicht traurig. Das w\u00fcrde mich antreiben, ein Buch f\u00fcr Kinder zu verfassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie sehen Sie Ihre Rolle als Schulleiterin?Mir liegt vor allem daran, dass in unserer Schule ein gutes Klima herrscht, das f\u00fcr das Miteinander in unseren verschiedenen Rollen und Aufgaben f\u00f6rderlich ist: Ein Klima, in dem Sch\u00fcler gern und effektiv lernen, Lehrkr\u00e4fte gern unterrichten und Eltern mit uns an einem Strang ziehen, wenn es sich um&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"footnotes":""},"class_list":["post-350","page","type-page","status-publish","hentry"],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/P8RYTk-5E","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sophiejacobsen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/350","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sophiejacobsen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/sophiejacobsen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sophiejacobsen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sophiejacobsen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=350"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/sophiejacobsen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/350\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":351,"href":"https:\/\/sophiejacobsen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/350\/revisions\/351"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sophiejacobsen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=350"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}