{"id":355,"date":"2020-09-23T19:03:23","date_gmt":"2020-09-23T17:03:23","guid":{"rendered":"http:\/\/sophiejacobsen.de\/?page_id=355"},"modified":"2020-09-23T19:03:23","modified_gmt":"2020-09-23T17:03:23","slug":"prof-dr-heinz-hahn-direktor-1979-1987","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/sophiejacobsen.de\/?page_id=355","title":{"rendered":"Prof. Dr. Heinz Hahn, Direktor 1979-1987"},"content":{"rendered":"\n<p>(Rede zur Verabschiedung, von Inge Eva Klostermann)<\/p>\n\n\n\n<p>Lieber Herr Dr. Hahn!<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Goethe, dem von Ihnen so hochgesch\u00e4tzten Dichterf\u00fcrsten, habe ich die folgenden Verse gefunden:<br>Worte sind der Seele Bild &#8211;<br>Nicht ein Bild! Sie sind ein Schatten!<br>Sagen herbe, deuten mild,<br>Was wir haben, was wir hatten. &#8211;<br>Was wir hatten, wo ist&#8217;s hin?<br>Und was ist&#8217;s denn, was wir haben? &#8211;<br>Nun, wir sprechen! Rasch im Fliehn<br>Haschen wir des Lebens Gaben.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier scheinen mir Gedanke und Stimmung ausgedr\u00fcckt zu sein, mit denen Sie auf diesen Tag Ihrer Verabschiedung aus dem Schuldienst zugegangen sind, n\u00e4mlich mit betr\u00e4chtlicher Skepsis gegen\u00fcber wohlgemeinten W\u00fcrdigungen und Abschiedsworten, die, wie der Dichter sagt, doch nur Schatten der vergangenen Wirklichkeit sein k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Daher haben Sie sich ausgebeten, diese Abschiedsfeier nicht zum Mittelpunkt des Tages zu machen, sondern sie einzuordnen in eine Momentaufnahme der TSS in ihrer Gesamtheit, die eher das Best\u00e4ndige im Wandel, die Kontinuit\u00e4t des Schullebens, und nicht so sehr den Einschnitt sichtbar machen soll. Richtfest des Anbaus, Darbietungen aus der laufenden Arbeit sollen neben oder sogar vor Ihrer Verabschiedung die wesentlichen Themen dieses Tages sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Sicherlich ist das eine unanfechtbare Perspektive; aber ich meine, eine andere hat gleiche Berechtigung, und diese m\u00f6chte ich als Sprecherin der Schule jetzt doch in den Vordergrund stellen d\u00fcrfen. Das Wirken eines Schulleiters f\u00fcgt sich wohl in das Kontinuum Schule ein, findet aber doch einen bestimmenden Niederschlag in dem Gesamtmuster, das w\u00e4hrend seiner Amtsf\u00fchrung entsteht; und so kann es nicht anders sein, als da\u00df diese Wirkung auch im Bild des Kontinuums besonders beachtet wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich m\u00f6chte f\u00fcr diese Perspektive einen Gew\u00e4hrsmann heranziehen, der Goethe gewi\u00df nicht an gedanklicher Tiefe, wohl aber mit der schon \u00fcber l 1\/2 Jahrtausende dauernden Wirkungsgeschichte seiner geistigen Autorit\u00e4t \u00fcbertrifft, und der uns hier das Problem einer pers\u00f6nlichen W\u00fcrdigung unkomplizierter machen kann, den altr\u00f6mischen Politiker und Philosophen Cicero. Er sagt im 3. Kapitel des 3. Buches seiner &#8222;Gespr\u00e4che in Tusculum&#8220;:<br>&#8222;Est enim gloria solida quaedam res et ex-pressa, non adumbrata; ea est consentiens laus bonorum, incorrupta vox bene iudicantium de ex-cellenti virtute; ea virtuti resonat tamquam imago. quae quia recte factorum plerumque comes est, non est bonis viris repudianda.&#8220;<br>(Denn der Ruhm ist eine gediegene und scharf umrissene Sache, kein blo\u00dfes Schattenbild. Er ist das \u00fcbereinstimmende Lob der T\u00fcchtigen, die unverf\u00e4lschte Stimme jener, die \u00fcber hervorragende Tugend richtig urteilen k\u00f6nnen, und so ist er gleichsam Abbild und Echo der Tugend. Und da er zumeist der Begleiter rechten Handelns ist, so werden t\u00fcchtige M\u00e4nner ihn nicht abweisen.)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Besonderheit Ihrer Amtszeit in der Kontinuit\u00e4t dieser Schule soll also das Thema dieser Abschiedsworte sein.<br>Sie sind der 15. Schulleiter in der hundertzwanzigj\u00e4hrigen Geschichte der TSS. Einige Ihrer Vorg\u00e4nger haben nur wenige Jahre amtiert, diese Schule war eine Station ihrer beruflichen Weges unter anderen. Drei gab es unter ihnen, f\u00fcr die das Wirken an der Schule gleichsam Ziel und Zentrum ihrer p\u00e4dagogischen Laufbahn war, ablesbar an der L\u00e4nge ihrer Amtszeit und der deutlichen Pr\u00e4gung, die die Schule durch sie erfahren hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Das gilt besonders f\u00fcr die Gr\u00fcnderin und erste Schulvorsteherin der &#8222;Urzelle&#8220; der TSS, Sophie Jacobsen. Sie war 37 Jahre alt, als sie ihre &#8222;Private T\u00f6chterschule&#8220; gr\u00fcndete, und hat sie fast 28 Jahre lang geleitet. Ihre Lebensleistung, das mutige Eintreten f\u00fcr die M\u00e4dchenbildung in einer Zeit, die daf\u00fcr noch kaum Verst\u00e4ndnis hatte, haben Sie, Herr Dr. Hahn, k\u00fcrzlich in einem Zeitungsartikel gew\u00fcrdigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die zweite dieser pr\u00e4genden Gestalten in der Schulgeschichte war die Schulvorsteherin Hedwig Pfeifer. In 18j\u00e4hriger Amtszeit von 1913 &#8211; 1931 hat sie den Aufstieg der Privatschule zum St\u00e4dtischen Lyzeum (1914) und zum Oberlyzeum (1929) durchgesetzt, sowie mit der Angliederung eines koedukativen Aufbauzuges Weichen f\u00fcr weitere Entfaltungsrichtungen der Schule gestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich geh\u00f6rt Ihr unmittelbarer Vorg\u00e4nger Vorg\u00e4nger, Herr Dr. Reinhardt, zu dieser Gruppe der langj\u00e4hrig pr\u00e4genden Schulleiter. Er stellte in 19 Amtsjahren mit der Durchsetzung des Schulneubaus Voraussetzungen f\u00fcr die Weiterentwicklung zum modernen Gymnasium sicher; mit dem Aufbauzug von 1966 bis zur neuen Oberstufe deckte er besondere bildungspolitische Bed\u00fcrfnisse dieser Landschaft ab; er bew\u00e4ltigte den Einstieg in die neue Oberstufenform unter den schwierigen Bedingungen der explodierenden Sch\u00fclerzahlen und behauptete in schulpolitisch aufgeregten Zeiten den Schulfrieden.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Ihnen, Herr Dr. Hahn, ist der Lebensplan anders strukturiert; die 8 Jahre Ihres Direktorates an der TSS haben f\u00fcr Sie selbst, aber auch f\u00fcr die Schule einen besonderen Charakter. Als Sie zu uns kamen, hatten Sie das weitl\u00e4ufige Feld der P\u00e4dagogik in ungew\u00f6hnlichem Umfang ausgeschritten, mit vielf\u00e4ltigen Schwerpunkten in ihm gearbeitet: Praktische Lehrert\u00e4tigkeit an unterschiedlichen Schulformen mit unterrichtlichen und organisatorischen Aufgaben, Lehrerausbildung in Theorie und Praxis, Lehrplanarbeit, Schulbucharbeit, Mitsprache in Bildungsdiskussion und -politik, nicht zuletzt die Erfahrung der deutschen Teilung als Determinate ihrer beruflichen Laufbahn, &#8211; so weit gespannt war die Erfahrungsbasis, als Sie mit 54 Jahren unser Direktor wurden, gewisserma\u00dfen aus &#8222;Stabsfunktionen&#8220; wieder \u00fcberwechselten in das eigentliche Aktions- und Bew\u00e4hrungszentrum aller P\u00e4dagogik. F\u00fcr Kollegium, Eltern- und Sch\u00fclerschaft der TSS war klar, da\u00df dieses Direktorat, von einer so weitgehend gepr\u00e4gten Pers\u00f6nlichkeit gestaltet, auch besondere Akzente setzen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein bi\u00dfchen Besorgnis, das will ich gestehen, gab es damals allerdings auch: w\u00fcrde die TSS Experimentierfeld f\u00fcr die Umsetzung aller m\u00f6glichen Theorien in die Praxis werden, Medium der Selbstbest\u00e4tigung eines eingefleischten Didaktikers, Objekt der Nivellierung landschaftlich begr\u00fcndeter Eigenart auf eine p\u00e4dagogische Stromlinienform hin, die sich &#8222;gymnasialer Bildungsauftrag&#8220; nennt? Sie waren auf solche Fragen gefa\u00dft und versuchten, sie schon bei Ihrer Einf\u00fchrung zu beantworten. Sie nannten &#8222;Transparenz des Leistungsanspruchs&#8220;, ein &#8222;Klima entspannten Lernens&#8220;, eine demokratische Leistungsschule \u2026 ohne unn\u00f6tiges Angstpotential.&#8220; Das klang uns verst\u00e4ndnisvoll und vern\u00fcnftig; wie ja jeder, der Sie schon vorher bei Tagungsvortr\u00e4gen geh\u00f6rt hatte, Ihnen immer hatte zustimmen k\u00f6nnen. Aber, so fragte man sich, war das nicht doch jene besagte p\u00e4dagogische Stromlinienkompetenz? &#8211; Sehr schnell wurden uns dann Dimensionen Ihres Wesens sichtbar, die nicht in dieses Schema passen. Da ist die besondere Zuneigung zu unserem Namenspatron Theodor Storm, der ja nun keineswegs ein angepa\u00dfter griffiger Geist ist. (Mit unendlicher Beharrlichkeit haben Sie sogar erreicht, da\u00df sein Name deutlich sichtbar am Schulgeb\u00e4ude angebracht wurde.) Da ist vor allem die Liebe zu einem alten Strohdachhaus oben in der Wiedingharde mit dem Nis Puck im Geb\u00e4lk, von dem sich bei st\u00fcrmischen Wetter und Punsch so phantasievoll fabulieren l\u00e4\u00dft. Hier erwuchsen Elemente unausgesprochenen Einverst\u00e4ndnisses und individueller Wertsch\u00e4tzung, die die t\u00e4gliche Arbeit in der Schule auf unnennbare Weise gef\u00f6rdert haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Im gro\u00dfen und ganzen g\u00fcnstig f\u00fcr den Beginn Ihres Direktorates war die aktuelle Situation, die Sie an der Schule vorfanden. Die Krawallphase des bildungspolitischen Aufbruchs um 1970 war vor\u00fcber. Die Tendenz zur unvers\u00f6hnlichen Konfrontation der Standpunkte &#8211; hier gegen autorit\u00e4re &#8222;b\u00fcrgerliche&#8220; Erziehungsdiktatur mit Stoff\u00fclle, Leistungsdruck, Pr\u00fcfungsangst, unmenschlichem Konkurrenzprinzip &#8211; dort gegen progressistisches Chaos durch Konfliktbesessenheit, Politisierung, Ideologisierung, Schriftfeindlichkeit &#8211; diese Aufgeregtheit der diffamierenden Parolen war damals besonnener Auseinandersetzung gewichen. Man fragt jetzt wieder nach dem Machbaren, man fragt vor allem nach dem Bed\u00fcrfnissen der Kinder, wie sie hier und jetzt leben. Die Linie, auf der man sich heute wieder trifft, zeichnete Hartmut von Hentig, ein leidenschaftlicher Vertreter progressiver P\u00e4dagogik, in einem Vertrag 1976 so:<br>&#8222;Die heutigen Kinder sind anders als andere vor ihnen. Die an unverarbeiteten Eindr\u00fccken reiche, an Halt, Begr\u00fcndung, verstandener und verantworteter Ordnung arme und vor allem unruhige, friedlose Welt hat ein Bed\u00fcrfnis nach Verl\u00e4\u00dflichkeit in den Kindern aufkommen lassen, das alle anderen Bed\u00fcrfnisse \u00fcbertrifft.(\u2026) Erwachsene, zumal Lehrer, m\u00fcssen heute in erster Linie standhalten, sie m\u00fcssen den Charakter einer Wand haben (\u2026) etwas, das sch\u00fctzt, das immer da ist, an das man sich anlehnen kann. Wir haben &#8211; nicht aus lauter Fortschrittsduselei, sondern meist aus Ehrlichkeit &#8211; den Kindern eine zu offene Welt zugemutet.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Die rechte Balance zwischen F\u00fchren und Gew\u00e4hrenlassen gilt also wieder als die zentrale Aufgabe der P\u00e4dagogik, und hier m\u00f6chte ich mir eine kleine Abschweifung erlauben. Ist das eigentlich eine neue Erkenntnis? Setzt sich nicht schon Theodor Storm in seinen &#8222;Zur Erziehung&#8220; betitelten Distichen damit auseinander, wenn er die Rolle des Erwachsenen mit leichter Ironie so charakterisiert:<\/p>\n\n\n\n<p>1) Nimm nun, Pflaum&#8216; oder Pfirsich! Ich gebe dir g\u00e4nzlich die Wahl, doch<br>Nimmst du den Pfirsich, pa\u00df auf, was dir zu Mittag geschieht!<br>2) Freilich, nur nach Gewissen und g\u00e4nzlich nach \u00dcberzeugung!<br>Riet&#8216; ich ein anderes dir, gut nicht war&#8217;es f\u00fcrwahr.<br>Aber bedenk&#8217;s ich, ich bin hier sehr &#8211; sehr anderer Meinung;<br>Und &#8211; da\u00df du meiner bedarfst, hoffentlich wei\u00dft du es doch!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Elternschaft kam Ihnen mit gro\u00dfem Vertrauen entgegen, es entwickelte sich eine Zusammenarbeit ohne wesentliche Probleme. Die Sch\u00fcler in dieser Landschaft unterscheiden sich nach Mentalit\u00e4t und Arbeitsweise von den Ihnen bis dahin bekannten Gro\u00dfstadtsch\u00fclern, aber durchaus nicht negativ, wie Sie immer wieder feststellten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die SV war grunds\u00e4tzlich kooperativ, wie die ositionsbeschreibung des damaligen Schulsprechers im ersten Heft der &#8222;Berichte&#8220; zeigte: &#8222;Die SV arbeitet mit der Schulleitung im Interesse der Sch\u00fcler zusammen. Die SV als permanente Opposition zur Schulleitung w\u00e4re kr\u00e4ftezehrend und sinnlos. Aber ich bilde mir nicht ein, da\u00df es m\u00f6glich ist, eine Harmonie zwischen SV und Schulleitung herzustellen (\u2026) Sicherlich spielt hier das &#8222;jugendliche Mi\u00dftrauen&#8220; gegen\u00fcber jeglichem Establishment eine Rolle. Ich halte eine Zusammenarbeit mit der Schulleitung prinzipiell f\u00fcr sinnvoll, wenn es darum geht, Interessen der Sch\u00fcler zu vertreten. Aber die SV sollte so handeln, da\u00df sie die Maxime ihrer Handlungsweise jederzeit vor der Sch\u00fclerschaft vertreten kann, d.h. da\u00df sie Schwierigkeiten nicht aus dem Weg gehen darf, das hei\u00dft weiter, da\u00df sie die Kraft zur Opposition haben mu\u00df.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Im Vokabular findet sich vielleicht noch ein schwacher Nachhall der vergangenen Totalverweigerung, in der Sache aber war dies eine klare Basis f\u00fcr Verst\u00e4ndigung, die dann auch in besonnener Diskussion eigentlich immer gefunden wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Sicherlich fanden Sie auch massive Probleme vor bei Ihrem Amtsantritt: noch immer hohe Fehlstundenzahlen und vor allem die Dependance in Osterhusum mit allen Belastungen, Notl\u00f6sungen und Unzul\u00e4nglichkeiten, die sich daraus f\u00fcr das Kollegium, den Stundenplan, die t\u00e4gliche Organisation ergaben; schlie\u00dflich einen Schultr\u00e4ger, dessen Mittel bei allem guten Willen von Jahr zu Jahr beschr\u00e4nkter wurden, was sich auf Ausstattung und Zustand der Schulanlagen wenig f\u00f6rderlich auswirkte. Aber, ich meine, alles in allem hatten wir mit Ihnen 1979 einen guten Start.<\/p>\n\n\n\n<p>Als allgemeine Orientierungslinien f\u00fcr unsere Arbeit stellten Sie heraus: das Anregen und Fordern von Leistung ohne Druck und Krampf, die st\u00e4ndige Reflexion \u00fcber unseren p\u00e4dagogischen Auftrag und die M\u00f6glichkeiten seiner Konkretisierung, die Profilierung der Schule in ihrem Selbstverst\u00e4ndnis und gegen\u00fcber der \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Als f\u00f6rderlich f\u00fcr diese Ziele betonten Sie: die Transparenz von Forderung und Bewertung, die Sicherung eines Ordnungsniveaus bei Flexibilit\u00e4t in zweitrangigen Fragen, die f\u00e4cher\u00fcbergreifende Zusammenarbeit im Kollegium, die intensive Kommunikation mit der Elternschaft, das Ernstnehmen der Sch\u00fcler und die offene Zusammenarbeit mit der SV, die Kooperation mit der HTS und nicht zuletzt ein verst\u00e4rktes Engagement in der Referendarausbildung.<\/p>\n\n\n\n<p>Kann man das Ergebnis dieser 8 Jahre in Worte fassen? Das meiste steckt im den Kontinuum Theodor-Storm-Schule und dr\u00fcckt sich in dessen Gesamtqualit\u00e4t aus. Auch nur die Weiterentwicklungen, Ver\u00e4nderungen, Neuans\u00e4tze genauer zu beschreiben, w\u00fcrde den zeitlichen und thematischen Rahmen dieser Abschiedsworte \u00fcberschreiten. Ich kann allenfalls einiges wenige davon in einer bunten Reihe von Stichworten andeuten: die baulichen Erweiterungen im Verwaltungstrakt und den heute gerichteten Anbau von Klassen -und Bibliotheksr\u00e4umen, die Ver\u00f6ffentlichung der &#8222;Berichte aus dem Schulalltag&#8220;, die Projektwochen, die Studienfahrten des 13. Jahrgangs, die Jahrgangsveranstaltungen auf der Oberstufe, die W\u00fcrdigung herausragender Sch\u00fclerleistungen in unterschiedlichen Bereichen mit Buchpr\u00e4mien, den Ausbau von Berufsberatung und Betriebserkundungen, die Neugestaltung der Abiturfeier und des Adventbasars, die Vermehrung von Schulpartnerschaften und Lehrerkontakten \u00fcber die Landesgrenzen hinaus, die Einf\u00fchrung des D\u00e4nischunterrichts auf der Mittel- und Oberstufe, die Einrichtung von Informatik- und \u00d6kologiezentren und die Entwicklung didaktischer Modelle in diesen Bereichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr liebstes Kind ist aber ohne Frage der Ausbau des \u00e4sthetischen Fachbereichs zu einem Profilschwerpunkt der TSS mit der Weiterentwicklung des Schultheaters im Fach Literatur kreativ, mit der Einrichtung des Musikzweiges, mit vielf\u00e4ltigen Konzerten, mit regelm\u00e4\u00dfigen Veranstaltungsreihen wie den Theatertagen und den f\u00e4cher\u00fcbergreifenden Epochendarstellungen, mit bedeutenden Gemeinschaftsleistungen &#8211; ich nenne das Musical &#8222;Fiesta&#8220; und den &#8222;Jasager&#8220;. Nat\u00fcrlich h\u00e4tten Sie manches andere auch gern noch weitergebracht: den Sporthallenbau, Verkehrsprobleme, Fragen der Lernmittelfreiheit, Behebung der Geb\u00e4udesch\u00e4den, auch die Intensit\u00e4t der p\u00e4dagogischen Reflexion im Kollegium, die Motivationsprobleme bei Sch\u00fclern angesichts fehlender Zukunftsperspektiven. Aber auch hier haben Sie doch zumindest einige Weichen f\u00fcr zuk\u00fcnftige Besserungen und L\u00f6sungen gestellt. Insgesamt hat sich die TSS unter Ihrem Direktorat bedeutend entwickelt; viele neue Farben und Formen haben Sie in vergleichsweise kurzer Amtszeit in Ihr Grundmuster eingebracht.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wie werden wir Sie als Direktor in Erinnerung behalten? Auch hier wird mein Bild nur umri\u00dfhaft sein k\u00f6nnen in der Beschreibung dessen, was wir an Ihnen besonders gesch\u00e4tzt haben: Ihre st\u00e4ndige Pr\u00e4senz, Umsicht, F\u00fcrsorge; Ihre Entscheidungssicherheit auf Grund von Urteilskraft und Einf\u00fchrungsverm\u00f6gen, Ihre F\u00e4higkeit zum Zuh\u00f6ren, Ausgleichen und Entsch\u00e4rfen, aber auch Ihre Qualit\u00e4tsma\u00dfst\u00e4be und Ihre &#8222;wohlwollende Unnachgiebigkeit&#8220;, um eine Formulierung Ernst Heimerans zu gebrauchen. Beeindruckt haben uns Ihr Wissensfundus, Ihre Erfahrung in vielf\u00e4ltigen Bereichen, Ihre Beredsamkeit, Ihre F\u00e4higkeit, Anregungen zu geben, auf Anregungen und Ideen einzugehen, komplexe Probleme auf den Punkt zu bringen. Unsere Sympathie hatten Sie in Ihrem Humor, Ihrer F\u00e4higkeit zur Selbstkritik und Selbstironie, und dankbar sind wir Ihnen f\u00fcr viel Geduld, Nachsicht und bewundernswerte Selbstbeherrschung gegen\u00fcber Unzul\u00e4nglichkeiten, Fehlern, auch &#8222;Provinzialit\u00e4t!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Ein gro\u00dfer deutscher Politiker hat in den sechziger Jahren eine bittere Entt\u00e4uschung erlebt, als er seine Macht abgeben, ein ruhigeres Amt antreten wollte, diesen Entschlu\u00df aus bestimmten Gr\u00fcnden dann aber doch revidierte. Seine alten Parteig\u00e4nger akzeptierten ihn nicht mehr. Sie, Herr Dr. Hahn, h\u00e4tten Ihren Entschlu\u00df, das Direktorat niederzulegen, ohne jede Besorgnis revidieren k\u00f6nnen!!<\/p>\n\n\n\n<p>Leider haben Sie das nicht getan, und uns bleibt heute nur noch, Ihnen f\u00fcr die 8 Jahre guter Zusammenarbeit herzlich zu danken und Ihnen, Ihrer Gattin und Ihrer Familie f\u00fcr den sicherlich sehr aktiven Ruhestand alles, alles Gute zu w\u00fcnschen. Sie haben gesagt, Sie seien neugierig auf die ver\u00e4nderten Horizonte des kommenden Lebensabschnitts &#8211; daher zum Geleit noch einmal Cicero und Goethe, diesmal aber in bemerkenswerter \u00dcbereinstimmung \u00fcber die 1 1\/2 Jahrtausende hinweg und g\u00fcltig bis heute<\/p>\n\n\n\n<p>Cicero, de officiis I,13<br>&#8222;in primisque hominis est propria veri in-quisitio atque investigatio; itaque cum sumus necessariis negotiis curisque vacui, turn avemus aliquid videre, audire, addiscere, cognition-emque rerum aut occultarum aut admirabilium ad beate vivendum necessariam ducimus.&#8220;<br>(Besonders ist dem Menschen eigen das Suchen und Forschen nach dem Wahren. Darum, wenn wir von unausweichlichen Verpflichtungen und Sorgen frei sind, dann verlangt uns, etwas zu sehen, zu h\u00f6ren, hinzuzulernen, und die Erkenntnis geheimer oder wunderbarer Dinge halten wir f\u00fcr einen notwendigen Teil eines gl\u00fcckhaften Lebens.)<\/p>\n\n\n\n<p>Goethe: Parabase<br>Freudig war, vor vielen Jahren,<br>Eifrig so der Geist bestrebt,<br>Zu erforschen, zu erfahren,<br>Wie Natur im Schaffen lebt.<br>Und es ist das ewig Eine,<br>Das sich vielfach offenbart:<br>Klein das Gro\u00dfe, gro\u00df das Kleine,<br>Alles nach der eignen Art;<br>Immer wechselnd, fest sich haltend,<br>Nah und fern und fern und nah,<br>So gestaltend, umgestaltend &#8211;<br>Zum Erstaunen bin ich da.<\/p>\n\n\n\n<p>(aus &#8222;Aus dem Schulalltag&#8220;, Ausgabe 15, 1987)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Rede zur Verabschiedung, von Inge Eva Klostermann) Lieber Herr Dr. Hahn! 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Sie sind ein Schatten!Sagen herbe, deuten mild,Was wir haben, was wir hatten. &#8211;Was wir hatten, wo ist&#8217;s hin?Und was ist&#8217;s denn, was wir&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"footnotes":""},"class_list":["post-355","page","type-page","status-publish","hentry"],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/P8RYTk-5J","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sophiejacobsen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/355","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sophiejacobsen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/sophiejacobsen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sophiejacobsen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sophiejacobsen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=355"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/sophiejacobsen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/355\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":356,"href":"https:\/\/sophiejacobsen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/355\/revisions\/356"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sophiejacobsen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=355"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}